29.11.2015 bis 24.1.2016: Rainer Meißle »STILLE« – Landschaften in Brandenburg – Fotografie

Rainer MeißleMeißle-web

»STILLE« – Landschaften in Brandenburg – Fotografie

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zeigt das Potsdamer
Museumshaus »Im Güldenen Arm« die Ausstellung.

Ausstellungseröffnung:
am Sonntag, 29. November 2015, 15.00 Uhr

Begrüßung: Hinrich Enderlein

Eröffnungsrede: Frau Heidi Gerber, Projektreferentin der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz für das Land Brandenburg

Lesung:
Am Sonntag, 17. Januar 201 6 , 15:00 Uhr, liest Rainer Meißle zusammen mit
der Autorin Irmela Körner Texte zu Landschaften von u.a. Nicolas Born und
Hans Christoph Buch

Ausstellungsdauer:
29. November 2015 bis 24. Januar 2016

Unheilige Nacht! wieder am freitag, 15.1.2016, 18 uhr: rosa und karl gedenken

Fr., 15.1., um 18 uhr ab kudamm ecke joachimstaler staße übers elefantentor am olof-palme-platz (zwischenkundgebung) gibt es den gang zu den denkmälern im tiergarten.
ausklang in der tiergartenquelle am s-bhf tiergarten.
demo_start_am_elefantentor

ACHTUNG!!! Start der Kundgebung dieses Mal ab Joachimsthaler/ Ecke Ku´damm
ACHTUNG!!! Demostart ab Joachimsthaler/ Ecke Ku´damm

Ingrid Scharfschwerdt wird den Ausklang der Kundgebung musikalisch begleiten
Ingrid Scharfschwerdt wird die Kundgebung musikalisch begleiten

Bei diesem Gedenken geht es durchaus auch um ganz aktuelle Themen
Bei diesem Gedenken geht es durchaus auch um ganz aktuelle Themen

Am Gedenkstein von Karl-Liebknecht wird der Demo-Zug enden.
Am Gedenkstein von Karl-Liebknecht wird der Demo-Zug enden

Venceremos!! Nicht alles Sozi ist auch sozialistisch, oder?
Venceremos!! Nicht alles Sozi ist auch sozialistisch, oder?

Ob die Schalmeienbläser dieses Mal dabei sein werden?
Ob die Schalmeienbläser dieses Mal dabei sein werden?

alle fotos: stefan bartylla

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Anti-Kohle-Kette 23.08.2014 Kerkwitz Grabice

Anti-Kohle-Kette 23.08.2014

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Menschenkette gegen Braunkohle am 23. August 2014

Auch Du kannst dabei helfen, vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, den Kommunalwahlen in Polen sowie der Reichstagswahl in Schweden ein kraftvolles Zeichen gegen die Braunkohle zu setzen:
Sei dabei, wenn am 23. August 2014 tausende Menschen zwei von der Abbaggerung bedrohte Orte – Kerkwitz in Deutschland und Grabice in Polen – mit einer grenzüberschreitenden Menschenkette verbinden. Hier kannst du deine Fahrt zur Menschenkette organisieren!

Klima retten – Menschen helfen

Die Zukunft unserer Energieversorgung und die Frage, ob wir den Klimawandel aufhalten können, entscheiden sich in der Lausitz.
Dort, in der deutschpolnischen Grenzregion zwischen Berlin und Dresden, in der Mitte Europas – aber abseits einer breiten Öffentlichkeit – nimmt eine der größten Umweltkatastrophen der Staatengemeinschaft ungebremst ihren Lauf. Kohlekonzerne, wie Vattenfall und die polnische PGE, wollen mithilfe der Landespolitik in der Lausitz auch in Zukunft Milliarden Tonnen schmutzige Braunkohle abbaggern und in ihren Kohlekraftwerken verbrennen. Passiert das, werden Deutschland, Polen und Europa ihre Klimaziele nie erreichen. Weitere Dörfer werden abgebaggert und Tausende Menschen, unter ihnen auch viele Sorben und Wenden, werden ihre Heimat verlieren. Über viele Jahrzehnte werden weitere Landstriche in Deutschland und Polen unbewohnbar, Flüsse und Seen versauern und verockern. Wir brauchen noch mehr Mutige, die diese Katastrophe verhindern helfen. Wir brauchen Dich!

Energiewende statt Braunkohle

Im Boden unter den Dörfern der deutsch-polnischen Lausitz lagern Milliarden Tonnen Braunkohle. Seit Jahrzehnten fräsen sich gigantische Schaufelräder durch das Land, um diese Kohle abzubaggern – und Felder und Wälder, Häuser und Kirchen, Kindergärten und Friedhöfe gleich mit. Zu lange wurden die katastrophalen Folgen des Braunkohlentagebaus für Mensch und Natur hingenommen.
Doch die Zeit der Braunkohle ist vorbei: Solar- und Windstrom ersetzt von Monat zu Monat mehr Kohle und Atomstrom. Deshalb wächst der Widerstand gegen Kohle in Deutschland, Polen und anderswo.
Immer mehr Menschen begreifen: Braunkohle zerstört unsere Zukunft. Jeder neue Tagebau ist ein Angriff auf die Energiewende. Ohne Kohleausstieg kein Klimaschutz. Deshalb stellen wir uns den Plänen der Landesregierungen und Kohlekonzerne in den Weg!

16.-24.8.14 Klima- und Energiecamp in Kerkwitz

Du suchst noch eine passende Übernachtungsmöglichkeit für die Menschenkette? Dann komm zum Klimakamp direkt in Kerkwitz gelegen!

Zum vierten Mal in der Lausitz eine gute Woche Campen gegen neue Tagebaue und Kohlekraftwerke, gegen Zerstörung von Klimagleichgewicht und Umwelt, gegen Ressourcenplünderung, Wachstumswahn und Vertreibung für eine echte Energiewende und für Energiedemokratie
für Klimagerechtigkeit und solidarisches Leben.
Warum in Kerkwitz: Es ist einer der Brennpunkte des Kohlewiderstandes, einer der von der Abbaggerung bedrohten Orte in der Lausitz.
Das Camp bietet:
Feste, Bildung, Kultur, Raum für Spontane Aktionen
Ein basisdemokratisch organisiertes Experimentierfeld gelebter Alternativen, einen Ort der Vernetzung und des Erfahrungsaustausches
Begegnungen mit Teilnehmern von überall und aus der Region.
Die Menschenkette am 23.8. ist gleichsam für uns das Finale, sie verbindet unseren Camp-Ort symbolisch mit dem ebenfalls bedrohten polnischen Grabice.
Das Camp wird ehrenamtlich organisiert von umweltbewegten Aktiven, parteienunabhängig, bündnis-übergreifend.
Wie man hinkommt, wo man sich meldet, was genau stattfindet:
www.lausitzcamp.info

 

21.3. und 9.5.2014: experimentelle Tanz-Klang-Performance „Wasser“ Liebisch-Knöbl-Braunwarth-Hofmann

„WASSER“
experimentelle
TANZ-KLANG-PERFORMANCE
 
BERND LIEBISCH, Gitarren, Material-Klänge, musikalisches Konzept
CAROLINE KNÖBL, experimenteller Tanz, Gesamtkonzept, Videos
CARMEN BRAUNWARTH, experimenteller Tanz
HEINZ-PETER HOFMANN, Bass, Material-Klänge, Regie
 
 
21.03.2014, 20.00 Uhr, Elsenfeld, kath. Gemeindezentrum, Adam-Zirkel-Str. 6
                    Spendenempfehlung: 5,- Euro
 
09.05.2014, 20.00 Uhr, Miltenberg, Franziskushaus des Caritas-Verbandes, Hauptstr. 60
                    Eintritt: 10,- Euro
 
 
Liebe Freunde, Bekannte und Interessierte an meinem Gitarre-Spiel !
 
Es wird wild… und still!
Mein neuestes Musik-Projekt steht im Eindruck des Improvisohriums, einer professionellen Improvisations-Veranstaltung in Wiesbaden. Jenseits von Free-Jazz und atonaler moderner Musik wird dort eine faszinierende Sensibilität und Experimentierfreude gepflegt, bei der das Loslösen vom Tradierten eine Wachheit und Präsenz erzeugen, die Gänsehaut-Qualität hat.
Nachdem ich in den Neunzigern das Zusammenspiel mit Literaten und Dichtern kennenlernte, darf ich jetzt den experimentellen Tanz, die expressive Bewegungs-Kunst im Zusammenspiel kennenlernen.
Die Obernburger Tänzerin Caroline Knöbl  leistete die Initiative und organisatorische Hauptarbeit, den Improvisohriums-Impuls aus dem lÀrt pour lÀrt des Improvisierens in eine Publikums-geeignete Veranstaltung umzusetzen. Die Herzkammer der Improvisation wurde behutsam in ein kompositorisches Konzept eingefügt und einiger technischer Aufwand geleistet, um auch optisch zu einem Gesamtkunstwerk zu gelangen. Herausgekommen ist ein sensibles Chaos, von meditativer Konzentration bis dadaistischer Verspieltheit, von Material-Klängen bis Free-Jazz und erzählerischer Atonalität. Und einmal wirds sogar funky. Durchwoben von Eindrücken und vielleicht dem Geist des Wassers.
 
Beteiligt sind
Caroline Knöbl aus Obernburg und
Carmen Braunwarth aus Haingrund,
beide seit Jahren in der regionalen Tanz-Szene um Aschaffenburg rührig.
Heinz-Peter Hofmann aus Darmstadt macht seit langem professionell experimentelle Musik. Er bringt neben seiner beeindruckenden Beherrschung des Instuments auch Theater-Erfahrung mit.
Für Bernd Liebisch als Maler war schon immer intensives Musizieren wichtiger Teil seiner künstlerischen Entwicklung, erst in profundem Konzert-Gitarre-Spiel später im experimentellen Jazz.
 

11.2.2014: tempelhof – das feld

Veranstaltungsreihe: Institutskolloquium des Instituts für Europäische Ethnologie im Wintersemester 2013/14: „Urbane Aushandlungen – Die Stadt als Aktionsraum“
Vortrag

Tempelhof – Das Feld

Vortrag des Studienprojekts Wolfgang Kaschuba (Berlin) im Rahmen des Institutskolloquiums des Instituts für Europäische Ethnologie

Termine

Di., 11.02.2014
18:00 Uhr – 20:00 Uhr

Standort

Mohrenstraße 40/41.Institutsgebäude

Eintritt

frei

 
„Urbane Aushandlungen – Die Stadt als Aktionsraum“: Stadtraum entsteht und materialisiert sich aus der Praxis der Akteure und wird dabei immer wieder neu verhandelt. Urbane Räume sind damit zugleich Orte ziviler Öffentlichkeit, Zentren sozialer Bewegung und insbesondere auch Bühnen performativer Praktiken. Sie sind gefüllt mit Geschichte und zugleich mit Entwürfen für die Zukunft. In dem Kolloquium am Institut für Europäische Ethnologie wird den Überlagerungen dieser verschiedenen Raum- und Zeit-Imaginationen nachgegangen. Neben der Zusammenführung verschiedener wissenschaftlicher Betrachtungen des Stadtraums werden auch Praktiker_innen, die darin agieren, zu Wort kommen. Den Fokus bildet die Stadt Berlin sowohl in historischer wie auch in gegenwärtiger Perspektive, ergänzt mit Beispielen aus anderen Städten, die einen fruchtbaren Vergleich mit Berlin ermöglichen.

Weitere Informationen

Veranstalter: Institut für Europäische Ethnologie
Referenten: Studienprojekt Wolfgang Kaschuba (Berlin)

Kontakt

Cornelia Kühn, Dominik Kleinen
E-Mail: cornelia.kuehn@staff.hu-berlin.de dominik.kleinen@staff.hu-berlin.de
Website: http://www.euroethno.hu-berlin.de/institut/kolloquium

Adresse

Mohrenstraße 41, 10117 Berlin
Raum: 311 (3. OG)

trauerfeiern für bärbel bohley

(dapd-bln). Die Trauerfeier für Bärbel Bohley wird am 26. September (15.00 Uhr) in der Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg stattfinden. Zuvor wird es am 25. September eine Gedenkveranstaltung in der Akademie der Künste in Mitte geben, wie die Robert-Havemann-Gesellschaft am Freitag mitteilte. In der Woche nach der Trauerfeier werde Bohley im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.

Die am 11. September einem Krebsleiden erlegene Bärbel Bohley gehörte 1990 zu den Gründungsmitgliedern der Robert-Havemann-Gesellschaft. Im Archiv der DDR-Opposition des Vereins wird der politische Nachlass von Bohley aufbewahrt. Sie gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR und gehörte zu den Gründern der Bürgerbewegung Neues Forum.

Ein Kondolenzbuch liegt täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr am Informationspavillon der Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ auf dem Alexanderplatz aus. Bis zum Ausstellungsende am 3. Oktober haben dort Trauernde die Gelegenheit, ihr Beileid zu bekunden.

dapd/msz/nik

berliner compagnie im september

… Neueste Produktion der BERLINER COMPAGNIE ….Herzliche Einladung…..

DIE WEISSEN KOMMEN
Ein Theaterstück über Afrika. Über uns.

Das Spiel beginnt mit weißen Tradern, Bankern, Kolonisatoren, Sklavenhändlern. Zug um Zug unterwerfen sie den schwarzen Kontinent. Auf ihrer Jagd nach immer größerem Gewinn kennen sie kein Gesetz. Diebstahl, Raub und Völkermord – fast alles ist erlaubt.
Wer jedoch eine zentrale Spielregel verletzt, wird vom scheinbar allmächtigen Gamemaster aus dem bisherigen Spiel hinausgeworfen. Von einem Augenblick zum anderen ist er nicht mehr Weißer, sondern Schwarzer; kein Herr mehr, sondern Sklave, Rebell, Freiheitskämpfer.
Kannten sie bislang den Kontinent nur aus der Sicht der Eroberer, so lernen sie jetzt das Sklavenschiff, die Zwangsarbeit auf der Plantage, die Massaker an den Aufständischen kennen. Sie leben das Leben der Ausgebeuteten und Unterdrückten, geraten in Revolten und Revolutionen.
Jetzt würden sie gerne mit dem Spiel aufhören. Aber sie können offenbar die virtuelle Welt nicht mehr verlassen. Als Gäste in der schwarzen Haut kämpfen sie sich durch die Jahre und Epochen zurück in die Gegenwart..

Ort:
Werkraum im Fabrikgebäude, Berlin-Kreuzberg, Muskauer Straße 20A
Kartenvorbest.: Telefon – 61280493 oder Info@berlinercompagnie.de Eintritt: 14,- erm. 10,- €
Zeit:
Montag 20. 9. 19:30 Uhr
Dienstag 21. 9. 19:30 Uhr
Dienstag 28. 9. 19:30 Uhr
Mittwoch 29. 9. 19:30 Uhr

Es spielen:
Natascha Menzel, Jean-Theo Jost, Dimo Wendt, H.G. Fries

Stück: Helma Fries und Elke Schuster
Regie: Elke Schuster

berliner grab des monats dezember 2015

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel (seit 1898) auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II an der Bergmannstraße in Kreuzberg (Quelle: www.knerger.de):

                        

  • geb. 8.12.1815 in Breslau
  • gest. 9.2.1905 in Berlin

Deutscher Maler und Grafiker; der Sohn eines Lithographen war zunächst in dessen Werkstatt tätig, die nach dessen Tod 1832 auch übernahm. Mit lithographischen Federzeichnungen (1833) zu Goethes Gedicht Künstlers Erdenwallen begann seine Bekanntheitsgrad, der noch zunahm, als er für Denkwürdigkeiten aus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (1836) und Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung (1851-57; 3 Tle.) Lithographien schuf. Seit der 400 Federzeichnungen zu Franz Theodor Kuglers Werk Geschichte Friedrich des Großen galt er als der bedeutendste Vertreter dieser Kunst in Deutschland im 19. Jahrhundert. In der Malerei war der nur 1,40m große Menzel Autodidakt – beeindruckt von Werken John Constables und Carl Blechen. Ab 1845 wandte er sich der malerischen Darstellung alltäglicher Dinge und Ansichten zu; so stellte er Motive aus dem beginnenden Industriezeitalter wie etwa Eisenbahnen, Eisenwalzwerken etc. dar. Mit der Verwendung von besonderer Farbwirkung und Lichtreflexen auf seinen Bildern war er wegbereitend für den deutschen Impressionismus. Ab 1860 wandte er sich der Historienmalerei und zeitgenössischen Darstellungen zu. 1866 reiste er zu den Schauplätzen des Preußisch-Österreichischen Krieges nach Böhmen. Er selber hatte wegen seiner Kleinwüchsigkeit (“Gnomenhaftigkeit“) an den Kriegen nicht teilnehmen können.

Werke u.a.: Das Balkonzimmer (1845); Blick auf den Park des Prinzen Albrecht (1846); Die Berlin-Potsdamer Bahn (1847), Aufbahrung der Märzgefallenen (1848), Tafelrunde Friedrichs des Großen in Sanssouci (1850; 1945 zerstört); Flötenkonzert Friedrichs II. in Sanssouci (1852); Krönung Wilhelms I. (1861-65); Eisenwalzwerk (1875).

 

Eisenwalzwerk (1872–75)

 

berliner grab des monats november 2015

Der Afrikaforscher Heinrich Barth

Ein Unbekannter vom Range Humboldts

Der deutsche Forscher Heinrich Barth hat Mitte des 19. Jahrhunderts weite Teile Afrikas bereist und Berichte verfasst, die größtenteils bis heute Bestand haben. Sein Bild von Afrika war dem seiner Zeit weit voraus. Dass er dort besser bekannt ist als in Deutschland, liegt auch an seinem Selbstverständnis. Heute vor 150 Jahren starb Heinrich Barth.

Von Mathias Schulenburg, Kalenderblatt im Deutschlandfunk am 25.11.2015

Portrait des deutschen Afrikaforschers Heinrich Barth (1821-1865). (imago/Leemage)
Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth. (imago/Leemage)

Heinrich Barth, 1821 in Hamburg als Sohn eines wohlhabenden Geschäftsinhabers geboren, hätte das Zeug und die Mittel gehabt, in Sachen Ruhm mit den berühmtesten Reisenden seiner Zeit gleichzuziehen. Schon in jungen Jahren bereiste er, vom Vater großzügig gefördert – nach dem Studium der Philologie, des klassischen Altertums und geografischen Vorlesungen – die Schauplätze der Antike.

Seine längste und ergiebigste Reise führte ihn in britischen Diensten, 1849 beginnend, in fünf Jahren zu Fuß und zu Pferde, auf Kamelen, Ochsenkarren und Booten durch die Sahara, die Sahelzone, durch die heutigen Staaten Libyen, Algerien, Niger, Nigeria, Tschad, Kamerun, Burkina Faso und Mali. Gleichwohl, sagt Klaus Schneider, Direktor des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums und Präsident der Heinrich-Barth-Gesellschaft in Köln:

„Heinrich Barth ist in Deutschland nahezu unbekannt. Der Grund dafür liegt in einer eigenartigen Konstellation von Nicht-Vermarktung seiner selbst, das haben nämlich die anderen Forscher seiner Zeit viel, viel besser verstanden, zum Beispiel Livingston oder Stanley. Barth verstand sich aber als seriöser Wissenschaftler und ausschließlich als solcher. Und deshalb hat er das nicht gemacht und deshalb fehlte ihm einfach diese Publicity, die andere Forscher so mitgenommen haben und auch im Bewusstsein der Bevölkerung verankert hatten.“

In Mali, Niger und dem Tschad kennt ihn jedes Schulkind. Nicht so in Europa, dabei hatte es bei der fast 20.000 Kilometer langen Reise an berichtenswerten Abenteuern nicht gefehlt: „Es sprach sich herum, da kommt einer, der hat viele interessante Dinge dabei, und da tappte er in die eine oder andere Falle. Aber er kam interessanterweise immer sehr geschickt da raus, und das lag daran, dass er die Sprachen konnte. Er konnte sich, von den Tuareg angefangen bis hin zu den Songhai, also den afrikanischen Bevölkerungen in Mali, unterhalten, er war ein unglaubliches Sprachtalent, und in Timbuktu war es wirklich allein die schützende Hand des Sheikhs al-Baqqai, der ihn dort überleben ließ.“

Die Protektion kam Heinrich Barth sehr gelegen. Als in Timbuktu bekannt wurde, dass ein Ungläubiger in der Stadt war, forderten Hardliner dessen sofortige Tötung – vergeblich. Derweil diskutierte Barth mit dem Sheikh religiöse Feinheiten wie die Ähnlichkeit von Islam und Christentum.

Das Mühen um wissenschaftliche Genauigkeit sollte sich einmal auszahlen: „Deutschland hat in Mali einen sehr guten Ruf, weil Deutschland das erste europäische Land war, das Mali nach der Unabhängigkeit anerkannte. Das haben die Malier nicht vergessen. Und Heinrich Barth ist so ein Vorzeigedeutscher, der eben in der Historie als erster diese Verbindungen zum heutigen Mali hergestellt hatte.“ Barth gilt auch als Erster, der den Afrikanern eine eigene Geschichte zuschrieb, festgehalten in Felsbildern.

Die Rückreise nach Europa war für Barth Dank der energischen Intervention des Sheik al-Baqqai friedlich: „Als er in Timbuktu abreiste, bekam er quasi von ihm ein Beglaubigungsschreiben, was ihn bis zum nächsten Einflussgebiet sicher geleitete, und dann war dort die Bitte formuliert, praktisch an seinen Kollegen 500 Kilometer weiter östlich, bitte kümmere dich so wie ich um diesen Mann, damit er sicher nach Hause zurückkehrt.“

Aber es gelang Heinrich Barth nicht, in der Heimat wie erhofft Fuß zu fassen. Er hatte die Gelehrtenmeinung gegen sich und war selbst wohl auch ein wenig undiplomatisch: „Heinrich Barth verstarb ja dann, sehr überraschend, an einer aus Afrika mitgebrachten Magenkrankheit, er hatte einen Magendurchbruch, da war er gerade mal 44 Jahre alt, und ein Grund, warum er wahrscheinlich auch krank war, und blieb, das war seine große Enttäuschung, dass er nach der Rückkehr nicht in eine andere Art der Würdigung geriet. Er blieb auch als Wissenschaftler blass, ihm wurde vorgeworfen, die Hälfte seiner Beschreibungen hätte er frei erfunden. Er hatte sich erhofft, dass er eine große Professur in Berlin bekommen würde, und die bekam er nicht. Und vielleicht ist er daran zerbrochen.“

Heinrich Barth starb am 25.11.1865; manche Fachleute messen ihm heute einen Rang zu, wie ihn Alexander von Humboldt hat.

aus dem wikipedia-artikel über barth:

„Im Jahre 1858 verließ Barth London und ging zurück nach Berlin, weil er hoffte, man werde ihm die Professur seines emeritierten Lehrers Carl Ritter im Fach Geographie übertragen, was nicht geschah. Von 1858 bis 1862 bereiste Barth noch Kleinasien, Griechenland und Bulgarien sowie Spanien, Italien und die Alpen. Er war als Nachfolger von Carl Ritter Präsident der „Gesellschaft für Erdkunde in Berlin“ und förderte eine Reihe junger Afrikaforscher wie etwa den Franzosen Henri Duveyrier, der an Barths Forschungen bei den Tuareg in der nördlichen Sahara anknüpfte. Zeitweise bemühte sich Barth angesichts der Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden, um die Entsendung als Konsul nach Konstantinopel, wurde aber nicht in Betracht gezogen, weil er als undiplomatischer Charakter galt. 1863 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität in Berlin ernannt, was bedeutet, dass er ohne Honorar Vorlesungen und Seminare abhielt. Eine ordentliche Professur wurde ihm jedoch verwehrt, so dass er in erster Linie von der Leibrente leben musste, die ihm der preußische König Friedrich Wilhelm IV. gewährte. Sein Reisewerk verkaufte sich wegen der hohen Wissenschaftlichkeit, des Umfangs (3.500 Seiten) und des dadurch bedingten hohen Preises nur sehr schleppend. Auch eine zweibändige Volksausgabe wurde kein Verkaufsschlager.

Im Jahre 1865 starb Heinrich Barth an einem Magendurchbruch, möglicherweise der Spätfolge einer Schussverletzung, die er auf seiner Mittelmeerreise 1847 in Libyen erlitten hatte. Er wurde auf dem III. Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg beigesetzt.“

26.11.2016: kauf-nix-tag in europa

Kauf-Nix-Tag

Eine Buy Nothing Day-Demonstration 2000 in San Francisco

Der Kauf-Nix-Tag (englisch: „Buy Nothing Day“) ist ein konsumkritischer Aktionstag am letzten Freitag (Nordamerika) bzw. Samstag (Europa) im November. Dieser wird mittlerweile in etwa 45 Ländern organisiert.[1][2]

In Amerika ist dieser Tag (zugleich) der Black Friday, der Tag nach dem Erntedankfest (Thanksgiving), an dem viele Amerikaner frei haben und der Handel den Beginn der Weihnachtseinkaufssaison mit vielen Rabatten und Schnäppchen einleitet. Der Black Friday ist etwa der fünft-umsatzstärkste Tag des Jahres.[3][4] Durch einen 24-stündigen Konsumverzicht soll mit dem Buy Nothing Day gegen „ausbeuterische Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen“ protestiert werden. Außerdem soll zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen angeregt werden. Ein bewusstes, auf Nachhaltigkeit abzielendes Kaufverhalten jedes Einzelnen soll somit gefördert werden.

In Deutschland wurde der Aktionstag in den 2000er Jahren vom Verein „Narra e.V.“ und der Konsumnetz-AG[5] des globalisierungskritischen Netzwerks Attac initiiert.[2]

Außerhalb der USA ist dieser Protesttag trotz vereinzelter Presseberichte kaum bekannt und findet – von vereinzelten Aktionen von Gruppen wie Attac abgesehen – wenig Beachtung.

Erfunden wurde der Buy Nothing Day wohl 1992 von der kanadischen Medien- und Werbeagentur Adbusters Media Foundation , die unter anderem für Greenpeace und die amerikanischen Grünen tätig war, aber auch von den Unternehmensgründern von Esprit unterstützt wird.[6]

Fraglich bleibt, ob die Teilnehmer der Veranstaltung tatsächlichen, nachhaltigen Konsumverzicht üben oder entsprechende Einkäufe lediglich verschieben, vergleichbar mit Boykottaktionen gegenüber Mineralölkonzernen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Kauf-Nix-Tag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

 

Unzeigen statt Anzeigen. Ein kanadischer Werbeprofi kämpft gegen den Konsumwahn., Die Zeit

 

ausgezeichneter eigener weg II

Carlos Sanchez Ortiz in der Toskana Ein Eremit im Bergwald der Toskana

Von  

Vor 19 Jahren verschwand der spanische Psychiater Carlos Sanchez Ortiz von der Bildfläche. Jetzt haben Pilzsammler im Bergwald der Toskana den heute 46 -Jährigen entdeckt. Das hat ihm gar nicht gefallen.

Toskanische Zeitungen zeigen Fotos des Passes von Carlos Ortiz, die die Pilzsammler gemacht haben. Dann verschwand der 46-Jährige wieder im Wald. Foto: Internet
Toskanische Zeitungen zeigen Fotos des Passes von Carlos Ortiz, die die Pilzsammler gemacht haben. Dann verschwand der 46-Jährige wieder im Wald.Foto: Internet

Der legendäre „letzte Japaner“ wurde 1972 aus dem Dschungel der Pazifikinsel Guam gezogen. Der Soldat Yokoi Shoichi hatte sich 1944 dorthin geflüchtet, als die Amerikaner das Eiland eroberten. Die folgenden 28 Jahre der Weltgeschichte hatte Shoichi in seiner Waldeinsamkeit nicht mehr mitbekommen. In ähnlichen Lebensumständen ist jetzt in Italien so etwas wie der „letzte Spanier“ gefunden worden. Nur, dass Carlos Sanchez Ortiz de Salazar nie in einen äußeren Krieg verwickelt war. Der in seinem Inneren war anscheinend schwer genug.

Ortiz, ein sprachbegabter Psychiater mit überdurchschnittlichen Examensnoten, war 1996 aus Sevilla verschwunden; vor fünf Jahren haben ihn die spanischen Behörden für tot erklärt. Ende Oktober nun stießen zwei Pilzsammler auf den heute ­46-Jährigen – im Waldgebirge der toskanischen Küste auf Höhe der Insel Elba. Mitten im dichtesten Unterholz entdeckten sie Zelte aus Plastikplanen, Kanister fürs Wasser, Lebensmittelreste – und ihn.

Der Mann hat wohl aus Müllcontainern gelebt

Der genauso überraschte Ortiz ließ seinen verschlissenen Pass fotografieren. Er behauptete, er wohne bereits seit 18 Jahren in diesem Waldstück, und sagte: „Jetzt habt ihr mich entdeckt, jetzt muss ich hier weg.“

Wovon der Mann gelebt hat? Den Überresten nach hat er sich aus Müllcontainern bedient oder ist auf geheimen Pfaden in die Badebuchten hinabgestiegen, um zu holen, was die Gäste so liegen ließen. Fragen kann man Ortiz nicht mehr: Er ist wieder in den Tiefen des Waldes verschwunden. Seine Eltern, die aus Bilbao eingeflogen waren, mussten ergebnislos wieder abziehen. „Aber es ist schön zu wissen, dass er noch lebt“, sagten sie toskanischen Zeitungen.

Warum ist Ortiz untergetaucht?

Aber warum ist Ortiz untergetaucht? Von einer tiefen psychischen Krise zum Studienende erzählten die Eltern, von einer Depression, genau wissen sie es wohl auch nicht. Der äußere Frieden jedenfalls bleibt dem spanischen Einsiedler garantiert. Der zuständige Bürgermeister sagt: „Wir suchen niemanden, wir verfolgen niemanden. Er hat sich schließlich frei für diese Lebensweise entschieden.“

david graeber: sind sie anarchist?

Sind Sie Anarchist?

Machen Sie den Test – die Antwort könnte Sie überraschen!

von David Graeber , erschienen in 22/2013 http://www.oya-online.de/article/read/1106-sind_sie_anarchist.html

Bild

© Foto: Melville House

Vermutlich haben Sie schon mal irgendwo gehört, was Anarchisten angeblich sind und glauben. Vermutlich ist alles, was Sie gehört haben, Blödsinn. Denn viele denken, Anarchisten seien für Gewalt, Chaos und Zerstörung und gegen jede Form von Ordnung und Organisation, oder sie seien durchgeknallte Nihilisten, die alles in die Luft jagen wollen. Weit gefehlt. Anarchisten glauben schlicht, dass Menschen zu einem guten Umgang miteinander finden können, ohne dass man sie dazu zwingen müsste. Eigentlich eine ganz einfache Idee. Doch die Reichen und Mächtigen halten sie seit jeher für extrem gefährlich.
Vereinfacht ausgedrückt, beruht der Anarchismus auf zwei Grundannahmen. Erstens: Unter gewönlichen Umständen sind Menschen so vernünftig und anständig, wie man sie sein lässt, und sie organisieren sich selbst und ihre Gemeinschaften, ohne dass man ihn sagen müsste, wie. Zweitens: Macht korrumpiert. Im Anarchismus geht es vor allem darum, den Mut aufzubringen, mit dem, was uns der Anstand gebietet, wirklich ernst zu machen und es konsequent zu Ende zu denken. Es mag seltsam klingen, aber in vielen entscheidenden Punkten sind Sie wahrscheinlich bereits Anarchist, auch wenn Sie es noch nicht wissen. Beginnen wir mit ein paar Alltagsbeispielen:
Sie stehen in der Schlange vor einem überfüllten Bus. Warten Sie, bis Sie an der Reihe sind, und drängeln sich nicht vor, auch wenn weit und breit kein Polizist zu sehen ist?
Wenn Sie mit »Ja« geantwortet haben, verhalten Sie sich wie ein Anarchist! Das grundlegendste anarchistische Prinzip ist Selbstorganisation: Menschen muss nicht mit Strafverfolgung gedroht werden, damit sie vernünftige Vereinbarungen miteinander treffen und sich mit Würde und Respekt begegnen.
Alle Menschen denken, sie seien imstande, sich vernünftig zu verhalten. Wenn Sie denken, wir bräuchten Gesetze und Gesetzeshüter, so nur deshalb, weil Sie nicht glauben, dass auch andere Menschen dazu imstande seien. Aber: Denken all diese Menschen nicht genau dasselbe von Ihnen? Anarchisten argumentieren, der Großteil des antisozialen Verhaltens, das uns überhaupt erst denken lässt, wir bräuchten Armeen, Polizisten, Gefängnisse und Regierungen, um unser Leben zu kontrollieren, werde gerade durch die systematischen Ungerechtigkeiten verursacht, die durch ebenjene Armeen, Polizisten, Gefängnisse und Regierungen erst ermöglicht werden – ein Teufelskreis! Sind Menschen gewohnt, dass man sie behandelt, als gälte ihre Meinung nichts, werden sie wütend und zynisch oder gar gewalttätig – was es den Machthabenden zugegebenermaßen leicht macht, zu behaupten, die Meinung dieser Menschen gälte nichts. Verstehen diese Menschen jedoch, dass ihre Meinung ebensoviel gilt wie die jedes anderen Menschen, werden sie erstaunlich einsichtig. Kurz: Anarchisten glauben, dass es vor allem die Macht und die Auswirkungen der Macht sind, die Menschen dumm und verantwortungslos handeln lassen.
Sind Sie Mitglied in einem Club, Sportverein oder einer anderen freiwilligen Organisation, in der Entscheidungen nicht von oben, sondern basisdemokratisch gefällt werden?
Ja? Dann gehören Sie einer Organisation an, die nach anarchistischen Prinzipien funktioniert! Ein weiteres anarchistisches Grundprinzip ist die Freiwilligkeit der Verbindung. Im Grund geht es im Anarchismus schlichtweg darum, wahrhaft demokratische Prinzipien im Alltag zu verwirklichen – jedoch mit dem bezeichnenden Unterschied, dass Anarchisten an eine Gesellschaft glauben, in der sich alles nach diesen Grundsätzen organisieren lässt und in der alle Gruppen auf dem freiwilligen Einverständnis ihrer Mitglieder gründen. Somit sind hierarchische und militärische, durch Befehlsketten von oben nach unten strukturierte Organisationsformen wie Armeen, Verwaltungsapparate oder Großunternehmen nicht mehr notwendig. Vielleicht glauben Sie nicht, dass so eine Welt möglich sei. Aber: Jedesmal, wenn Sie durch Konsens anstatt durch Drohung zu einer Vereinbarung gelangen, jedesmal, wenn Sie eine freiwillige Abmachung mit jemandem treffen, sich einigen oder einen Kompromiss finden, indem Sie sich die Umstände oder Bedürfnisse der anderen Person bewusstmachen, sind Sie ein Anarchist – auch, wenn Sie es noch nicht wissen.
Anarchismus ist das, was Menschen tun, wenn man sie tun lässt, was sie tun möchten, und wenn sie mit gleichermaßen freien Menschen interagieren, die sich der gegenseitigen Verantwortung, die solche Freiheit mit sich bringt, bewusst sind. Dies führt uns zu einem weiteren entscheidenden Punkt: Während Menschen vernünftig und rücksichtsvoll sein können, wenn sie anderen auf Augenhöhe begegnen, liegt es in der Natur des Menschen, dass dies nicht mehr gilt, sobald einer Macht über den anderen hat. Sind Menschen mit solcher Macht ausgestattet, werden sie diese fast ausnahmslos auf die eine oder andere Art missbrauchen.
Glauben Sie, dass die meisten Politiker egoistische, selbstgefällige Karrieristen sind, die sich nicht ums Gemeinwohl scheren? Glauben Sie, dass unser Wirtschaftssystem idiotisch und ungerecht ist?
Ja? Dann unterstützen Sie die anarchistische Kritik an der heutigen Gesellschaft, zumindest in den Gründzügen. Anarchisten glauben, dass Macht korrumpiert und dass jene, die ihr Leben lang nach Macht streben, die letzten sind, denen diese Macht anvertraut werden sollte. Anarchisten glauben, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem Menschen eher für selbstsüchtiges und skrupelloses Verhalten belohnt als für aufrechtes und mitfühlendes. Dies glauben die meisten Menschen. Der Unterschied ist, dass viele glauben, man könne nichts dagegen tun, oder – wie die Erfüllungsgehilfen der Mächtigen gebetsmühlenartig wiederholen – alles, was man dagegen tun könnte, würde die Lage nur verschlimmern.
Aber was, wenn dies gar nicht stimmt?
Gibt es einen guten Grund, warum wir dies glauben sollten? Die meisten Prognosen über eine Welt ohne Nationalstaaten oder ohne Kapitalismus erweisen sich bei genauerer Untersuchung als grundfalsch. Unzählige Gesellschaften haben ohne Regierungen gelebt. In vielen Teilen der Welt leben Menschen auch heute außerhalb von Regierungskontrolle, ohne sich deshalb gegenseitig umzubringen. Sie leben einfach ihr Leben, so wie andere Menschen auch. Überlegt man, wie dies in einer komplexen, urbanisierten, technisierten Gesellschaft umzusetzen wäre, stoßen wir auf eine Reihe von Fragen, auf die wir keine Antwort haben, weil kaum jemand danach fragt. Anarchisten meinen, genau diese Fragen sollten wir stellen.
Glauben Sie wirklich, was Sie ihren Kindern erzählen (oder was Ihre Eltern Ihnen erzählt haben)?
»Es geht nicht darum, wer angefangen hat«, »Ein Unrecht hebt das andere nicht auf«, »Räum’ deine Sachen selber weg«, »Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu«, »Sei nicht gemein zu Menschen, nur weil sie anders sind«. Vielleicht sollten wir uns mal entscheiden, ob wir unsere Kinder anlügen wollen, wenn wir ihnen erzählen, was richtig und falsch ist, oder ob wir bereit sind, unsere Aufforderungen selber ernstzunehmen. Denn macht man wirklich ernst mit diesen moralischen Prinzipien, landet man ganz schnell beim Anarchismus.
Etwa das Prinzip »Ein Unrecht hebt das andere nicht auf«: Wirklich ernstgenommen, würde es fast allen Kriegen und Strafverfolgungssystemen jegliche Grundlage entziehen. Dasselbe gilt fürs Teilen: Immerzu erzählen wir Kindern, sie müssten lernen, zu teilen, auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht zu nehmen und sich gegenseitig zu unterstützen; und dann gehen wir raus in die Welt mit der Erwartung, alle Menschen seien von Natur aus egoistisch und stünden miteinander im Wettkampf. Ein Anarchist würde hier bemerken: Was wir unseren Kindern erzählen, stimmt. Praktisch jede große Errungenschaft in der Menschheitsgeschichte, jede Entdeckung, alles, was unser Leben zu einem guten Leben macht, basiert auf Kooperation und gegenseitiger Hilfe. Die meisten Menschen geben bereits heute mehr Geld für Freunde und Verwandte aus als für sich selbst. Höchstwahrscheinlich wird es immer Individuen geben, die denken, sie befänden sich mit ihren Mitmenschen im Konkurrenzkampf. Es gibt jedoch keinen Grund, warum eine Gesellschaft zu solchem Verhalten ermutigen oder gar Menschen dazu anstacheln sollte, miteinander um Grundbedürfnisse zu kämpfen.
Glauben Sie, dass Menschen im Grund ihres Wesens korrupt und böse sind oder dass bestimmte Gruppen (Frauen, »People of Color«, Durchschnittsmenschen, die weder reich noch gebildet sind) minderwertig sind und von Höherstehenden regiert werden sollten?
Wenn Ihre Antwort »Ja« lautet, sind Sie wohl doch kein Anarchist. Wenn sie aber »Nein« lautet, dann stimmen Sie mit neunzig Prozent der anarchistischen Prinzipien überein und leben vermutlich auch danach. Jedesmal, wenn Sie andere Menschen rücksichtsvoll und respektvoll behandeln, sind Sie ein Anarchist. Jedesmal, wenn Sie Differenzen mit anderen auflösen, indem Sie einen guten Kompromiss finden oder indem Sie alle anhören, anstatt eine einzelne Person entscheiden zu lassen, sind Sie ein Anarchist. Jedesmal, wenn Sie Gelegenheit hätten, jemanden zu etwas zu zwingen, und sich stattdessen entscheiden, mit Vernunft und Gerechtigkeit an die Person zu appellieren, sind Sie ein Anarchist. Ebenso jedesmal, wenn Sie mit Freunden teilen, wenn Sie gemeinsam entscheiden, wer den Abwasch macht, oder sich fair verhalten.
Sie mögen nun einwenden, all dies sei schön und gut, um in kleinen Gruppen miteinander auszukommen; die Verwaltung einer Stadt oder eines Landes sei jedoch eine ganz andere Geschichte. Da haben Sie nicht ganz unrecht. Selbst wenn man die Gesellschaft dezentralisierte und so viel Macht wie möglich in die Hände kleiner Gemeinschaften legte, gebe es Dinge, die auf übergeordneter Ebene koordiniert werden müssten: von Fahrplänen bis hin zu richtungsweisenden Entscheidungen über die Forschungsziele der Medizin. Aber nur, weil etwas kompliziert ist, heißt es nicht, dass es nicht auf der Grundlage gemeinsamer Entscheidung getan werden könnte.
Anarchisten haben verschiedenste Ideen und Visionen zur Selbstverwaltung einer komplexen Gesellschaft entwickelt, die jedoch den Umfang dieses Texts sprengen würden. Begnügen wir uns mit zwei Hinweisen: Erstens haben viele Menschen viel Zeit darauf verwendet, Modelle für eine wirklich demokratische, gesunde Gesellschaft zu entwickeln, und zweitens behauptet kein Anarchist, im Besitz einer perfekten Blaupause zu sein. Das letzte, was wir wollen, ist, der Gesellschaft vorgefertigte Schablonen aufzuzwängen. In Wahrheit sind wir uns wohl nicht mal eines Bruchteils der Probleme bewusst, die uns auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der Entscheidungen von den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam getroffen werden, begegnen werden. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass die menschliche Findigkeit alle diese Probleme lösen können wird, solange wir nur unseren Grundprinzipien treu bleiben, die bei abschließender Analyse nichts anderes als die Prinzipien von Anstand und Menschlichkeit sind.

Leicht bearbeitete und gekürzte Übersetzung aus dem Englischen.

 

David Graeber (52), US-amerikanischer Ethnologe und Aktivist, bezeichnet sich seit vier Jahrzehnten als Anarchist. Ausgiebige Feldforschung in Madagaskar schlug sich in einer Promotion an der University of Chicago über Magie, Sklaverei und Gewalt nieder. Graeber war entscheidend an der Gründung der aus der Protest­aktion »Occupy Wall Street« hervorgegangenen Occupy-Bewegung beteiligt – die Wochenzeitung »Die Zeit« bezeichnete ihn als deren »intellektuellen Superstar«. Er lehrt Ethnologie am Goldsmiths College der University of London und ist Professor an der renommierten London School of Economics. Seine Bücher verbinden scharfe Analyse mit süffisantem Stil und leidenschaftlicher Argumentation; darin erinnern sie an Horst Stowassers Standardwerk »Anarchie!«. 2008 erschien im ­Peter Hammer Verlag »Frei von Herrschaft«, im vergangenen Jahr bei Campus »Schulden« sowie »Inside Occupy« und soeben in der Edition Nautilus »Direkte ­Aktion« sowie bei Random House »The Democracy Project«. Graeber ist Mitglied der weltweiten ­Gewerkschaftsorganisation »Industrial Workers of the World« und wurde neben Vandana Shiva, Noam Chomsky und anderen in den Interimsausschuss der 2012 begründeten Nichtregierungsorganisation »International Organization for a Participatory Society« berufen.

www.twitter.com/davidgraeber

Film: BERLIN EAST SIDE GALLERY

BERLIN EAST SIDE GALLERY
 Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies
zum 25jährigen Bestehen der East Side Gallery im Jahr 2015
Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
 am Dienstag 22.9. um 19 Uhr in der Urania
am Sonntag 4.10. um 11 Uhr im Kino Bundesplatz
In Anwesenheit der Regisseure und Künstlern der East Side Gallery
Die East Side Gallery, das längste noch erhaltene
 Stück der Berliner Mauer, ist in Gefahr!
Der Film stellt die Frage, in welcher Stadt, in welcher Umgebung, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen. Im Film wird deutlich, daß schon längst an einer neuen Mauer gebaut wird, die sich quer durch unsere Gesellschaft zieht. Es ist die Mauer von Investition und dem Ausverkauf von Idealen, gegen deren Errichtung sich die Menschen heute intuitiv stellen.
Die Dokumentation bietet erstmals und exklusiv einen Einblick in die Gesamtgeschichte des Symbols für Freiheit und Menschenrechte. Kommentarlos erhebt sich ein vielstimmiger Chor: unterschiedlichste Akteure nehmen leidenschaftlich Stellung zu Hintergründen und Konflikten.
Karin Kaper und Dirk Szuszies haben viele internationale Künstler und alle an der Restaurierung und Sanierung im Jahr 2009 Beteiligten als einziges Filmteam der Welt von damals bis heute begleitet. Archivmaterial der Künstler von 1990 ermöglicht zudem einen authentischen und faszinierenden Rückblick.
In den letzten Jahren entstehen an der East Side Gallery monströse Hochbauten, für die bemalte Mauersegmente entfernt wurden. Der Kampf der Künstlerinitiative gegen die Interessen mächtiger Investoren steht für die verfehlte Stadtentwicklung in den Ballungszentren.
Kino-Zeit, Joachim Kurz:
“Ein beeindruckendes Porträt menschlicher Kreativität, ein Stück lebendige deutsche Geschichte im Zeichen der Wiedervereinigung.“
Radio Eins, Knut Elstermann: “Unbedingt hingehen. Ein toller, beeindruckender Film.“
Die Zeit, Lena Frommeyer:“Der Film zeigt, wie lebendig Gedenkkultur sein kann.“
Tagesspiegel, Gunda Bartels: “Die Power-Mauer! Schnittstelle zwischen Kunst und Politik.“
Filmecho, Marc Hairapetian:
“ Flammendes Plädoyer für den Erhalt des bemalten Mahnmals und Hymne an die Freiheit.“
Regie: Karin Kaper und Dirk Szuszies           Kamera: Karin Kaper und Dirk Szuszies
Schnitt: Werner Bednarz und Dirk Szuszies
Musik: Patrick Grant / Kiddy Citny & Sprung aus den Wolken / Christoph Mödersheim
Produktion 2015      Länge: 125 Minuten       Format: DCP und BluRay           FSK: ab 6 Jahren
Karin Kaper Film
Naunynstr.41a
10999 Berlin
Tel./Fax:+49 30 61 50 77 22
Mobil :+49 160 493 40 29
e-mail: kaperkarin@web.de
http://www.karinkaper.com

ausgezeichneter eigener weg II

Sex-Projekt von Künstler Mischa Badasyan: 365 Tage, 365 Männer

Ein Interview von

"Save the Date"-Projekt von Mischa Badasyan: "Mein Fetisch ist, heterosexuelle Männer rumzukriegen" Fotos
Andrea Linss

Ein Jahr lang hat der homosexuelle Künstler und Student Mischa Badasyan, 27, jeden Tag mit einem anderen Mann geschlafen – darunter Alte, Heteros und HIV-Positive. Ein Gespräch über schöne Dates, den Berliner Straßenstrich und tiefe Einsamkeit.

SPIEGEL ONLINE: Du hast im vergangenen Jahr mit 365 Männern geschlafen, jeden Tag mit einem anderen. Diese Woche war dein letztes Date, wie war’s?

Mischa Badasyan: Ehrlich gesagt war es keine so schöne Erfahrung. Es war ein Freund von mir und das Date schon lange verabredet, er wollte unbedingt der Letzte sein und meinte: Egal was kommt, selbst wenn du dich über das Jahr mit HIV ansteckst, wir machen das. Das hat mir Hoffnung auf Nähe gegeben. Er hat mich dann mit einem Schild empfangen, darauf stand: „Ziel erreicht!“ Wir haben zusammen Eis gegessen und uns unterhalten. Aber dann funktionierte es körperlich einfach nicht.SPIEGEL ONLINE: Du hast dich jeden Tag auf einen Neuen eingelassen. Fandest du alle Männer attraktiv?

Badasyan: Ne, 80 Prozent mochte ich gar nicht.

Zur Person
  • Nils Stelte

    Mischa Badasyan, Jahrgang 1988, ist Armenier, in Russland geboren und kam mit 20 Jahren nach Deutschland. Der Student der Kulturwissenschaften ist auch Performancekünstler. Für sein Projekt „Save the Date“, bei dem es um Einsamkeit geht, hat Badasyan ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann geschlafen – nur mit Kondom natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Warum hast du es trotzdem durchgezogen?Badasyan: Ich mache ja schon etwas länger Performance-Kunst, hatte aber immer nur politische Botschaften oder das Ziel, die Gesellschaft zu kritisieren. Im April vergangenen Jahres habe ich in Mailand eine Künstlerin kennengelernt, die aus Enttäuschung über ihre gescheiterte Beziehung 107 Frauen gebeten hat, Briefe an den Ex-Freund der Künstlerin zu schreiben. Daraus wurde eine tolle, persönliche Installation, die mich ermutigt hat, auch ein sehr privates Projekt zu starten. Vor einem Jahr ging es dann mit „Save the Date“ los. Vorher habe ich mich natürlich auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Die Regeln für dein Projekt waren: Kein Kerl zweimal, und bei jedem Date soll ein sexueller Akt stattfinden. Was wolltest du damit bewirken?

Badasyan: Es gibt eine Theorie, dass Menschen in Städten einsamer sind. Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht: Als ich nach Deutschland kam, dachte ich, ich könnte endlich meine Sexualität offen ausleben, eine Beziehung führen, mich mit meinem Partner vielleicht sogar um Kinder kümmern. Ich habe echt viele Männer kennengelernt, aber etwas Ernstes wurde leider nie daraus. In meinem Projekt habe ich diese Einsamkeit auf die Spitze getrieben. Dabei war es für mich wichitg, mit möglichst unterschiedlichen Menschen Sex zu haben. Ich hatte wesentlich ältere Männer, Flüchtlinge, Heteros.

SPIEGEL ONLINE: Heteros?

Badasyan: Ja. Heterosexuelle Männer rumzukriegen, ist mein kleiner Fetisch. Ich war zum Beispiel viel am Strich an der Kurfürstenstraße in Berlin. Ist ein Mann unbefriedigt zurückgeblieben, habe ich mich angeboten. Hat natürlich nicht immer geklappt, überraschend oft aber schon. Oh, und ich hatte mal etwas mit einem transsexuellen Mann aus Frankreich, das war auch sehr interessant.

SPIEGEL ONLINE: Wolltest du Einsamkeit oder Nähe spüren?

Badasyan: Anfangs habe ich noch versucht, möglichst viel Nähe herzustellen: Ich wollte die Männer in der kurzen Zeit wirklich kennenlernen, aber auch etwas von mir selbst preisgeben. Sechs Stunden täglich saß ich am Computer, habe über alle möglichen Schwulen-Chats nach Dates gesucht, alle Details zu den Treffen in mein Tagebuch geschrieben, gebloggt, mir bei jedem Treffen einen Gegenstand zur Erinnerung mitgenommen und zusätzlich noch ein Videotagebuch geführt. Doch nach ein paar Monaten war ich völlig ausgebrannt, nur noch müde und erschöpft.

SPIEGEL ONLINE: Und dann?

Badasyan: Dann habe ich angefangen, die andere Person nur noch als Körper wahrzunehmen. Habe ich mal online niemanden gefunden oder hat mich ein Date versetzt, bin ich einfach in sogenannte „cruising areas“ wie den Tiergarten und die Berliner Bars „Bull“ oder das „Ficken 3000“ gegangen. Auch da habe ich mir am Anfang noch Mühe gegeben, Komplimente gemacht, eine Unterhaltung aufgebaut. Irgendwann war ich aber wie alle anderen: Wortlos zunicken, zusammen um die Ecke gehen und die Sache klarmachen.

SPIEGEL ONLINE: Hattest du keine Angst vor Krankheiten?

Badasyan: Doch, und wie! HIV-Positive hatte ich eigentlich ausgeschlossen – auch um weitere Sex-Partner nicht zu gefährden. Nach dem Oralsex mit einem Kerl im Tiergarten offenbarte er mir aber, dass er positiv sei – und erklärte mir, warum das kaum problematisch ist: Seine Werte lagen unter der Nachweisgrenze. Das hat mir die Angst genommen und ich habe danach auch bewusst mit anderen HIV-Positiven geschlafen.

SPIEGEL ONLINE: Bist du abgestumpft?

Badasyan: Nein, ich bin durch das Projekt sogar eher verletzlicher geworden. Ein Kerl hat unseren Sex zum Beispiel abgebrochen: Er stieß mich von sich und meinte, er würde die ganze Zeit an jemand anderen denken. Ich habe mich selten so mies gefühlt und das erste Mal bei einem Date geweint. Das ist dann sogar noch öfter passiert, da ist richtig viel in mir aufgebrochen.

SPIEGEL ONLINE: Gab es auch richtig schöne Erlebnisse?

Badasyan: Ja, zum Beispiel mit einem Yoga-Lehrer aus Schottland. Wir wollten zur Einstimmung zusammen nackt Yoga machen, haben uns aber auf Anhieb so gut verstanden, dass wir dann gar nicht mehr viel Yoga gemacht haben. Ein anderes Mal hat mich jemand auf einer Veranstaltung angesprochen, wir haben uns dann verabredet und uns beim Date gegenseitig mit Farbe angemalt.SPIEGEL ONLINE: Das klingt alles sehr zeitintensiv und in jeder Hinsicht anstrengend. Bist du froh, dass es vorbei ist?

Badasyan: Ich hatte jetzt seit zwei Tagen keinen Sex mehr und ich glaube, es wird noch dauern, bis ich davon weg bin. Erst heute in der Bahn habe ich einen Typen gesehen und mich sofort gefragt, ob ich wohl mit ihm schlafen und die körperliche Nähe aushalten könnte. Aber eigentlich habe ich mir vorgenommen, erst mal mehr Sport zu machen. Ich habe nämlich jetzt mehr Angst vor körperlicher Ablehnung als noch vor dem Projekt.

quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/sex-projekt-save-the-date-von-mischa-badasyan-365-tage-365-maenner-a-1051426.html

dreiundvierzigmillionensiebenhundertzweiunddreißigtausendsiebenhundertfünfundneunzigstes deutsches fernsehen: film des monats dezember 2015

am 15.12. ist die griechisch-deutsche mezzosopranistin stella doufexis im alter von 47 jahren verstorben.

 

2013 war sie in griechenland aufgetreten:

 

28.8. bis 25.9.2015: topos widerstand: lebers kohlenhandlung

Fr 28. August, 19–21 Uhr

Topos Widerstand: Lebers Kohlenhandlung

Ausstellungseröffnung

Erinnerungskultur ist mit authentischen Orten verbunden. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat ihren Ort in dem Gebäude, wo das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 geplant wurde, wo man Stauffenberg und seine Vertrauten ermordete. Der Widerstand eines anderen Beteiligten an der Vorbereitung des Attentats, des Sozialdemokraten Julius Leber, wurde konspirativ von einer Kohlenhandlung in Berlin-Schöneberg aus organisiert. Das Gebäude der Kohlenhandlung, wie sie von Annedore Leber in den 1950er Jahren betrieben wurde, steht noch. Eine Bürgerinitiative möchte hier einen Lern- und Gedenkort schaffen.

Der Fotograf Berthold Prächt hat das Gebäude der Kohlenhandlung, wie es heute steht, sein Umfeld und die Menschen im Bild festgehalten. Ergänzt werden diese Bilder durch Fotos von Annedore und Julius Leber, ihrem Widerstand gegen Hitler und Kampf für die Demokratie.

Mit: Berthold Prächt (Fotograf), Angelika Schöttler (Bezirksbürger­meisterin von Tempelhof-Schöneberg) und Christine Fischer-Defoy
(Vorsitzende Aktives Museum e.V.): »Die Bedeutung authentischer Orte für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus«

Anmeldung erbeten unter anmeldung@august-bebel-institut.de

Wir bedanken uns herzlich für die Unterstützung durch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, den Stadtteilverein Schöneberg e.V. und das Aktive Museum e.V.

Ausstellung: 28. August bis 25. September 2015
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr 14–18 Uhr, Di nach Vereinbarung

Do 3. September, 19–21 Uhr

Julius Leber – Ein Sozialdemokrat zwischen Vaterlandstreue und Tyrannenmord?

Vor 70 Jahren wurde der Sozialdemokrat Julius Leber ermordet, weil er an der Vorbereitung des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt war. Sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus, den er gemeinsam mit seiner Frau Annedore von der Schöneberger Kohlenhandlung aus organisierte, ist heute vielen bekannt. Julius Lebers Herkunft aus dem in seiner Jugend deutschen Elsass prägte seine starke europäische Orientierung; als Offizier im Ersten Weltkrieg hatte er eine von der Mehrheit der SPD abweichende Meinung zum Militär; als Reichstagsabgeordneter in der Weimarer Republik verteidigte er die Demokratie gegen ihre Feinde.

Mit: Ruth Möller (Autorin des Buchs: »Julius Leber. Vordenker des Staatsbürgers in Uniform« gemeinsam mit Claus Jander), Heiner Wörmann (Autor des Bandes »Widerstand in Schöneberg und Tempelhof«)

Anmeldung erbeten unter anmeldung@august-bebel-institut.de

 

XXI. rohkunstbau auf schloss roskow im havelland: 21.6. bis 6.9.2015

21. Juni bis 6. September
XXI. Rohkunstbau — Apokalypse
Kulturschloss Roskow

Rohkunstbau steht seit seiner Gründung 1994 im Spreewald für leidenschaftliches Engagement für die Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur genauso wie für die Wiederentdeckung und Neubelebung fast vergessener Kulturstätten in den ländlichen Regionen Brandenburgs. Seit dem Jahr 2013 ist das Dorf und das dazugehörige Kulturschloss Roskow im Landkreis Potsdam-Mittelmark Standort der Kunstausstellung. Im Zuge des XXI. Rohkunstbau werden 2015 zehn zeitgenössische internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit dem Thema «Apokalypse» zu befassen.

Die 21. Ausgabe von Rohkunstbau zeigt künstlerische Positionen zum Thema «Apokalypse». Seit 2011 steht Richard Wagners Oper und Gesamtkunstwerk «Der Ring des Nibelungen» Pate für die Ausstellungsthemen von Rohkunstbau. In den vorangegangenen Ausstellungen arbeiteten die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler zu den Themen Macht (2011), Moral (2013) und Revolution (2014). «Apokalypse» folgt als vierter und letzter Teil des Wagnerzyklus.

Die kommende Schau von Rohkunstbau knüpft an Wagners Überlegungen zu Untergang und Neubeginn an. AlsMoment des Übergangs, als Moment der Offenbarung und Enthüllung, steht die Apokalypse nicht nur für den Untergang, sondern auch für die Visionen und Utopien nach dem ökonomischen, ökologischen oder gesellschaftlichen Kollaps. Bei Wagner liegt die post-apokalyptische Rettung in der Liebe.Wo liegt sie für die Künstlerinnen und Künstler des XXI.Rohkunstbau 2015?

 

warnung vor der „Volkskammer“

Wirt ist NPD-Kommunalpolitiker, gegen den ermittelt wird

Friedrichshain. In der Straße der Pariser Kommune befindet sich das Lokal „Volkskammer“. Wie der Name vermuten lässt, macht es kulinarisch auf DDR-Nostalgie.

Allerdings scheinen Würzfleisch, Jägerschnitzel oder Soljanka dort eher mit einer braunen Soße angerichtet zu werden. Betreiber der Gaststätte ist Frank D., der noch ein weiteres Restaurant in Malchow unterhält. D. sitzt für die NPD in der Gemeindevertretung der Ortschaft Löcknitz in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem unterhält er dort einen Schrottplatz.

Auf diesem Gelände sowie in Wohnungen von D. in Löcknitz und Berlin hat es im Februar bei einer Razzia Durchsuchungen gegeben. Die Aktion stand im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz. Nach Angaben der Zeitung „Nordkurier“ wurden Waffen, Munition, Übungshandgranaten und mehrere NPD „Schulhof-CDs“ gefunden.

Erst durch eine Anfrage des Linken-Fraktionsvorsitzenden Reza Amiri in der BVV erfuhr das Bezirksamt, in welchem Umfeld sich der Volkskammer-Betreiber anscheinend bewegt. Die Gewerbeanmeldung sei im März 2011 erfolgt, erklärte Wirtschafts- und Ordnungsstadtrat Dr. Peter Beckers (SPD). Die politische Gesinnung des Herrn sei damals nicht bekannt gewesen. Und zum Stand der laufenden Ermittlungen erhalte der Bezirk keine Informationen, was allerdings bei solchen Verfahren normal sei.

Wobei deren Ausgang natürlich nicht ganz unwichtig ist. Käme es zu einer rechtskräftigen Verurteilung, gebe es die Möglichkeit, die Gewerbeerlaubnis zurückzuziehen, führt Beckers weiter aus. Dagegen könnte D. allerdings klagen, was dann wohl ein langes und auch ungewisses Verfahren nach sich ziehen würde.

Den Erfolg bewertet der Stadtrat deshalb eher skeptisch, selbst wenn der Wille da sei, auch gewerberechtlich gegen den Betreiber vorzugehen. Er plädiert deshalb für ein „politisches Vorgehen“. Das könne aber nicht vom Bezirk geleistet werden, sondern müsse von Parteien oder Initiativen ausgehen.

Thomas Frey / tf in der Berliner Woche vom 20.5.15

 

jüngst verstorbener kardinal

duodecimus anni:

Carlo Furno

Wappen

Wappentafel in Sant’Onofrio al Gianicolo

Carlo Kardinal Furno (* 2. Dezember 1921 in Bairo Canavese, Provinz Turin, Königreich Italien; † 9. Dezember 2015 in Rom[1][2]) war ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem (1995–2007).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carlo Furno wuchs in Aglié Canavese in der Provinz Turin auf. Nach der Grundschule in Aglié besuchte er das Kleine Seminar in Ivrea und studierte ab 1938 am Diözesanseminar in Ivrea Philosophie und Katholische Theologie. Noch im Zweiten Weltkrieg am 25. Juni 1944 empfing er in Ivrea das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend arbeitete er drei Jahre lang als Kaplan in Ozegna im Bistum Ivrea, ehe er zwecks weiterführender Studien freigestellt wurde. 1948/49 studierte er Theologie am Päpstlichen Athenaeum der Salesianer in Turin. Am Päpstlichen Römischen Priesterseminar in Rom wurde er 1953 nach dem Studium des Kanonischen Rechts als auch des Zivilrechts zum Doktor beider Rechte (Dr. iur. utr.) promoviert. [3]

Parallel absolvierte er 1951 bis 1953 eine Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie und trat in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Er war Attaché und Sekretär der Apostolischen Nuntiatur in Kolumbien (1953/57) und Ecuador (1954/57) und Sekretär der Apostolischen Delegation in Jerusalem (1957/62). Von 1962 bis 1973 arbeitete Carlo Furno in der Ersten Sektion des Vatikanischen Staatssekretariates in Rom und war ab 1966 zusätzlich Dozent an der Päpstlichen Diplomatenakademie.

Am 1. August 1973 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularerzbischof von Abari und zum Apostolischen Nuntius in Peru. Die Bischofsweihe empfing Carlo Furno am 16. September desselben Jahres durch Kardinal Paolo Bertoli; Mitkonsekratoren waren Kurienerzbischof Agostino Casaroli und der Bischof seiner Heimatdiözese Ivrea, Luigi Bettazzi. Sein bischöfliches Motto war Ardere et lucere.

Von 1978 bis 1982 war er Apostolischer Nuntius im Libanon, von 1982 bis 1992 versah er die gleiche Aufgabe in Brasilien. 1992 wurde er Apostolischer Nuntius in Italien.

Papst Johannes Paul II. nahm ihn am 26. November 1994 als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Sacro Cuore di Cristo Re in das Kardinalskollegium auf und übertrug ihm in der Folgezeit bei mehreren Anlässen die Leitung Päpstlicher Delegationen.

Carlo Kardinal Furno wurde von Papst Johannes Paul II. am 21. Dezember 1995 zum Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt.

Vom 6. Juni 1996 bis November 1998 war er Päpstlicher Delegat für die Basilika San Francesco von Assisi. 1997 wurde er zum Erzpriester der Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore ernannt. Am 24. Februar 2005 wurde er zunächst unter Beibehaltung seiner Titeldiakonie, die pro hac vice zur Titelkirche erhoben wurde, zum Kardinalpriester ernannt. Im Jahr 2006 optierte er schließlich auf die Titelkirche Sant’Onofrio am Verwaltungssitz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Das Amt des Erzpriesters übte Furno bis zu seinem altersbedingten Rücktritt im Jahre 2004 aus.[4] Sein Rücktrittsgesuch als Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem nahm Papst Benedikt XVI. am 27. Juni 2007 an.[5]

Am Konklave 2005 sowie am Konklave 2013 nahm er nicht teil, da er die Altersgrenze von 80 Jahren bereits überschritten hatte.

Carlo Furno starb am 9. Dezember 2015 in Rom. Er wird in der Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore bestattet werden.[1][2]

Ehrungen und Auszeichnungen

Literatur

  • The International Who’s Who 2004, Europa Publications 2003, S. 573
  • Martin Bräuer: Handbuch der Kardinäle 1846–2012, Walter de Gruyter 2014, S. 556 f.

Weblinks

 Commons: Carlo Furno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

 

 

  1. AGLIE‘-BAIRO – E‘ morto nella notte il cardinale Carlo Furno. quotidianocanavese.it, 10. Dezember 2015, abgerufen am 12. Dezember 2015 (italienisch).
Vorgänger Amt Nachfolger
Giuseppe Kardinal Caprio Croix de l Ordre du Saint-Sepulcre.svg Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem
1995–2007
John Patrick Kardinal Foley
Ugo Kardinal Poletti Erzpriester der Basilika Santa Maria Maggiore
1997–2004
Bernard Francis Kardinal Law
Luigi Poggi Apostolischer Nuntius in Italien
1992–1994
Francesco Colasuonno
Carmine Rocco Apostolischer Nuntius in Brasilien
1982–1992
Alfio Rapisarda
Alfredo Bruniera Apostolischer Nuntius im Libanon
1978–1982
Luciano Angeloni
Luigi Poggi Apostolischer Nuntius im Peru
1973–1978
Mario Tagliaferri

2.5.: 13 uhr demo am senefelderplatz: Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen

Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen

Der 1. Mai ist in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag, der wahlweise unter dem Namen Tag der Arbeit, Maifeiertag, Vappu oder Kampftag der Arbeiterbewegung firmiert: Deutschland, Russland, die Volksrepublik China, Finnland, Nordkorea, Mexiko usw. – die Liste ließe sich noch scheinbar endlos fortsetzen. Allen Varianten gemein ist, dass es an diesem Tag um die Rechte der Arbeiter bzw. Arbeitnehmer geht und dementsprechend vor allem Gewerkschaften und Arbeitnehmer-Verbände zu großen Kundgebungen einladen. Einen Tag später gibt es dann eine alternative Fortsetzung. Denn bereits seit 2004 wird immer am 2. Mai der Internationale Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen in Form einer Demonstration am Berliner Senefelder Platz begangen.

Kuriose Feiertage - 2. Mai - Internationaler Tag der Arbeitlosen - (c) www.geissel-der-menschheit.de

Eine satirische Referenz an den 1. Mai?

Ins Leben gerufen wurde diese kuriose Aktionstag von der Liga für Kampf und Freizeit, hinter der die Berliner Literatengruppe „Die Surfpoeten“ steht. Unter dem Motto „Wir haben Zeit“ wird dazu aufgerufen, gegen den Zwang zur Lohnarbeit, gegen sinnentfremdete und unterbezahlte Arbeit auf die Straße zu gehen und öffentlich Stellung zu beziehen. Mag diese kritische Haltung gegenüber Arbeit, Kapitalismus und dem System auf den ersten Blick wahlweise wie ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert oder wie eine zynische Satire auf Kosten aller Arbeitslosen wirken, ergibt sich bei näherer Betrachtung ein durchaus ernster Hintergrund, denn eine zentrale Forderung der Liga für Kampf und Freizeit bzw. des Internationalen Kampf- und Feiertags der Arbeitslosen ist das Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen und das Recht auf Selbstbestimmung, ob und in welcher Form der/die Einzelne arbeiten möchte.

Weitere Informationen zum Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen:

Berliner Mauerstreifzüge mit Michael Cramer per Rad 2015

Die Berliner Abgeordnetenhausfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lädt unter der Leitung des Europa-Abgeordneten Michael Cramer auch in diesem Jahr wieder zu den „Mauerstreifzügen“ ein. Im Jahr 2015 gedenken wir dem 70. Jahr des Endes des Zweiten Weltkriegs 1945, in dessen Folge Berlin, Deutschland und Europa gespalten wurde, was durch den Mauerbau 1961 manifestiert wurde – bis der Eiserne Vorhang und die Mauer in Berlin 1989 fielen. Mit dem „Berliner Mauer-Radweg“ und dem „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ werden diese historischen Daten miteinander verbunden, so dass wir auf den „Mauerstreifzügen“ Geschichte, Politik, Natur und Kultur erfahren können.

In acht Etappen können Sie mit dem Fahrrad entlang der ehemaligen Mauer Berlin auf neuen alten Wegen erkunden. Die Mauerstreifzüge beginnen jeweils um 14 Uhr und finden bei jedem Wetter statt. Sie sind zwischen 20 und 30 Kilometer lang und werden nach Möglichkeit durch eine kleine Rast in einem Biergarten unterbrochen.
Hier sind die Termine der Berliner Mauerstreifzüge 2015:

Samstag, 30. Mai 2015, Startzeit 14:00 Uhr

Potsdamer Platz (historische Ampel) – S-Bahnhof Adlershof

 

Samstag, 13. Juni 2015, Startzeit 14:00 Uhr

S-Bahnhof Adlershof – S-Bahnhof Lichterfelde Süd

Samstag, 27. Juni 2015, Startzeit 14:00 Uhr

S-Bahnhof Lichterfelde Süd – Hauptbahnhof Potsdam (nördlicher Zugang)

 

Samstag, 11. Juli 2015, Startzeit 14:00 Uhr

Hauptbahnhof Potsdam (nördlicher Zugang) – Bahnhof Staaken

Samstag, 25. Juli 2015, Startzeit 14:00 Uhr

Bahnhof Staaken – Bahnhof Hennigsdorf

 

Samstag, 08. August 2015, Startzeit 14:00 Uhr

Bahnhof Hennigsdorf – S-Bahnhof Hermsdorf

Samstag, 22. August 2015, Startzeit 14:00 Uhr

S-Bahnhof Hermsdorf – S-Bahnhof Wollankstraße

 

Samstag, 05. September 2014, Startzeit 14:00 Uhr

S-Bahnhof Wollankstraße – Potsdamer Platz

Werderaner Baumblütenfest 2016

Baumblüte in Werder
Wir fahren mit dem Schiff zur Altstadt-Insel Werder und besuchen das 137. Baumblütenfest. Unser Gang führt uns zu Fischräucherei Arielle und zu Kaffee und Kuchen im Kindergarten an der evangelischen Kirche. Auf dem Friedhof an der Bockwindmühle wird Heerschau gehalten über die Neuzugänge unter den Toten.  Nach dem Verweilen in der Altstadt betreten wir Festland und den Höhenweg hinauf in Richtung Strohballen und blühende Bäume, grosso modo zum Stadtgarten. Dort Morgenstern-Lesung, Länge auf Wunsch. Erst der Sonnenuntergang und die spürbare Dämmerung auf stromloser Wiese vertreibt uns Richtung Bahnhof zurück.

Termin: am letzten Aprilsonntag
Treff: schiffsanlegestelle lange brücke in potsdam, 12.45 uhr.

3.5.2015: Radtour auf den Spuren Hülsens

Radtour auf den Spuren Hülsens
Der Sokrates des Havellandes August Ludwig Hülsen (gen. Hegekern) ist vor 250 Jahren in Aken an der Elbe geboren. Er verbrachte  abgesehen von seinem Engagement als Landwirt im holsteinischen Wagersrott und einer Schweizreise sein 44 Jahre währendes Leben in der Gegend zwischen Lentzke und Premnitz. Wir widmen diesem fast vergessenen Romantiker eine ganztägige Radtour ab Wustrau-Radenslebenn bis Nennhausen (ca. 50 km).
Nächster Termin und Treff am 250. Geburtstag: 3.5. 2015 (So), 8.30 Uhr am Berliner Hbf, Tief.

Der Artikel zu Hülsen in der Neuen Deutschen Biographie:

Hülsen, August Ludwig

Philosoph, * 2.3.1765 Aken/Elbe, 24.9.1809 Lentzke bei Fehrbellin.

  • Aus märk. Pfarrerfam.; V Paul Gottfr. (1719–83), Pfarrer in A., seit 1768 in Premnitz, S d. Chrstn. Konrad, Rektor in Köthen u. Pastor in Gr.-Badegast, u. d. Anna Elis. Stübner; M Joh. Dorothea (1731–87), T d. Hofbildhauers Chrstn. Konr. Stutz in Zerbst u. d. Eleonore Elisabeth Fette; 1) Nennhausen 1799 Leopoldine Christiane Dorothea († 1800), Tochter d. Friedrich von Posern, auf Thierbach, Witwe d. Pastors Kriele in Lentzke, 2) 1806 Christine Friederike († 1808), Tochter d. dänisch Landstallmeisters von Wiebel u. d. Elsa Otten, 3) 1809 Wilhelmine, Tochter d. Pastors Heinrich Thormählen in Siebeneichen u. d. Johanne Sophie Hoffmeister; Vt. d. |1. Ehefrau Frdr. de la Motte-Fouqué ( 1843), Dichter (s. NDB V); K aus 2); Ur-Groß-N Christian (s. 2).

  • Leben

    H. studierte in Halle Theologie und bei F. A. Wolf Philologie und war als Hauslehrer in der Familie Fouqué in Görtzke bei Ziesar tätig. Er lehnte es ab, ein Pfarramt zu übernehmen, weil er in seiner religiösen Position mehr und mehr von der kirchlichen Lehre abwich.

    Durch das Studium Kants bei Reinhold in Kiel (1794) wurde er in die Richtung gewiesen, die über Kant hinauszudenken versuchte. Im Sommer 1795 erschien daher H., nun schon 30jährig, unter den Schülern Fichtes in Jena und wurde Mitglied der „Gesellschaft der freien Männer“. In der Preisfrage der Berliner Akademie „Was hat die Metaphysik seit Leibniz und Wolff für Progressen gemacht“ (1796) gibt er eine philosophische Theorie der Philosophiegeschichte: indem er unterscheidet zwischen der „sich selbst setzenden Vernunft“ und der „im Widerstreit fortschreitenden geschichtlichen Vernunft“. Über die Geschichtsschreibung der Kantianer Reinhold und Tennemann hinaus wird hier der Grundgedanke einer dialektischen Geschichtsmetaphysik im Sinne Schellings und Hegels vorweggenommen. – Es folgten philosophische Aufsätze H.s, in denen sich die Fortentwicklung des Fichteanismus zur romantischen Philosophie schrittweise vollzog. Für die Romantiker war H. eine Verkörperung der durch Fichte erneuerten Philosophie, die sich wie bei Schelling in die pantheistische und wie bei Novalis in die mystische Richtung weiterentwickelte. Zwei Aufsätze, die in Fichte – Niethammers „Philosophischem Journal“ erschienen, handelten „Über Popularität in der Philosophie“ (in Briefform, 1797) und „Über den Bildungstrieb“ (1798); Friedrich Schlegel veröffentlichte im Athenaeum die in hymnischem Stil meditierenden Abhandlungen „Über die natürliche Gleichheit der Menschen“ (1799, Athenaeum II, 1) und „Naturbetrachtungen auf einer Reise durch die Schweiz“ (1800, Athenaeum III, 1). In diesen Gedankenkreis gehören auch die „Philosophischen Fragmente aus H.s literarischem Nachlaß“, die Fouqué 1813 in Schellings „Allgemeiner Zeitschrift von Deutschen für Deutsche“ veröffentlichte. Dokumente seines Philosophierens sind ferner die „Briefe an A. W. Schlegel und Sophie Bernhardi“ (1798-1803) und an Schleiermacher (Aus Schleiermachers Leben III/137). Dieses Philosophieren zieht aus den Grundgedanken der „Wissenschaftslehre“ die mystischen Konsequenzen; das Poetische erhält philosophischen Inhalt, die Philosophie wird poetisiert, beide Regionen verlieren ihre Eigengesetzlichkeit und gehen in Religion über, ähnlich wie bei Novalis und Hölderlin, was von Friedrich Schlegel als der eigentliche Fortschritt im Denken über Kant hinaus enthusiastisch begrüßt wurde. Die Wahrheit besteht für H. in dem Innewerden der Harmonie des Weltalls, die mit dem Fichteschen absoluten Ich identisch ist; das „Mensch-sein unter Menschen“ und die Anschauung der Natur werden wahr, wenn die endlichen Momente auf diesen absoluten Punkt bezogen sind. Statt der Fichteschen rigorosen Pflichtethik wird nun ein Rückzug des Menschen aus der Welt der „Verwirrung“ in die einfache und idyllische Lebensweise des Umgangs mit der mystisch gedeuteten Natur und dem ebenso gedeuteten Umgang mit dem anderen als rechter Weg empfunden. Jedes Streiten ist Mißverstehen des andern, jedes Systemdenken Mißdeuten der Wahrheit; es gilt, „das Ideal des Familien-Menschen zu realisieren“. Damit entfernte sich H. mit seinem Freund Berger von dem ursprünglichen Kreis der Fichteschüler, er distanzierte sich bewußt von der Wissenschaft wie von der Literatur. Er lebte die romantische Philosophie des Rückzugs aus der Welt und des Umgangs mit der Natur und den schlichten Menschen einer „harmonischen Bildung“ und schied damit aus der literarisch-philosophischen Bewegung aus.

    1796-98 ging er mit Berger in die Schweiz. Pestalozzi und Fellenberg wurden besucht. Im März 1798 war H. wieder in der literarischen Gesellschaft in Jena, kehrte aber dann in seine märkische Heimat zurück, wirkte als Lehrer bei Verwandten und Freunden, mit literarischen Plänen beschäftigt. Fouqué stellte ihm sein Haus in Lentzke zur Verfügung; H. begann dort eine Erziehungsanstalt einzurichten. Durch den Tod seiner Frau (1800) seelisch gebrochen, geriet er in eine Verwirrung, die er später wie einen Wahnsinn schilderte. Verhandlungen in Berlin, mit A. W. Schlegels Hilfe ein Amt zu suchen, brach er im Herbst 1803 ab, weil inzwischen mehrere der „freien Männer“ sich bei Schleswig und in Holstein als Landwirte angesiedelt hatten und ihn in ihr „Arkadien“ einluden; Berger und andere Freunde verschafften ihm ein kleines Gut in Wagersrott.

    • Literatur

      ADB 13;  R. Haym, Die romant. Schule, 1870, S. 445-56;  F. Kammradt, Ludwig Tiecks Anschauungen üb. Erziehung, in: Zs. f. Gesch. d. Erziehung u. d. Unterrichts 1, 1911, S. 272;  W. Flitner, A. L. H. u. d. Bund d. Freien Männer, 1913 (Anh.: Briefe an A. W. Schlegel u. Sophie Bern|hardi);  M. Preitz, Frdr. Schlegel u. Novalis, Biogr. e. Romantikerfreundschaft in Briefen, 1957;  P. Raabe, Das Protokollbuch d. Ges. d. Freien Männer, Festschr. f. E. Behrend, 1959, S. 356-81;  W. Asmus, Der junge Herbart II, III, 1961/63;  R. Lassahn, Wirkungsgesch. Fichtes als Päd., 1971.

  • Autor

    Wilhelm Flitner

  • Empfohlene Zitierweise

    Flitner, Wilhelm, „Hülsen, August Ludwig“ in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 734-736 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn121354016.html

alte mitte neue liebe: öffentliches nachdenken über berlins mitte ab sofort über den sommer 2015

Ihre Beteiligung könnte morgen schon Spuren hinterlassen.

Der Raum zwischen Fersehturm und Spree ist eines der letzten prominenten Gebiete der Innenstadt, dessen Nutzung und Gestaltung noch nicht festgeschrieben wurde. Alle Berliner/innen sind eingeladen, bis Ende des Jahres online und vor Ort neue Nutzungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren. Am Ende der Beteiligung steht ein Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses.

 

siehe:

http://stadtdebatte.berlin.de/